Wie es kam, dass die Wilmersdorfer Grenze so nahe
am Falkenberger Dorfrand vorbeiführt.

Nach dem dreißigjährigen Krieg gab es zwischen Falkenberg und Wilmersdorf ein
Grenzproblem, über das eine Ballade folgendes berichtete:

Schon dreißig Jahre dauerte das Morden,
Die Feldmark war ganz wüst geworden! ,
Mannshoch fand auf dem Acker das Gestrüpp sich ein,
Verdeckend Weg und Steg und Grenz' und Rain.
Verlassen waren alle Dörfer, weil Gesindel plündert',
Erpresste, quälte die Bewohner, bis verraten
War das Versteck, in dem das letzte Hab und Gut verborgen.
Das Strauchwerk bot nun Unterschlupf für alle,
Und manchen Strolch trieb Beutegier in eine Falle!

Nun war der Friede endlich wieder eingekehrt,
Und was die Pest und Hungersnot verschont,
Zog wieder ins verlassene Dorf,
Und rodet' und bestellte seine Felder.
Doch gab's Verwirrung mit den alten Grenzen
Und neuer Streit erregte die Gemüter!
"Nein, bis zum Höhenrand ging Wilmersdorfer Flur!"
"Nein hier, wo einst der Graben lief, da endet Falkenberg!"
"'Wir war´n hier oben, ganz bestimmt,
 und Ihr, Ihr pflügtet unten bis zum Hang!"
"Was? Das soll Euer sein, was hier so nah
Am Falkenberger Dorfrand liegt?
Ach bleibt zu Haus mit Euren Späßen!"

"Was wollt Ihr auf der Höhe bauen?
Ihr könnt sie ja nicht überschauen!
Was man nicht überblicken kann,
Kriegt Beine flugs und läuft von dann´!"
"Nicht überblicken?! Unser Falkenauge sieht
Vom Kirchturm aus bis Wilmersdorf tagtäglich,
Wie Euer Schulz' die Hosen runterzieht
Und in der Morgensonne Strahlen
Die fetten Schinken mächtig prahlen!"
"An Frechheiten von solchen Schloten
Ist hiermit jetzt genug geboten!
Der Anstand hält zurück mich eben,
Mit gleicher Münz' zurück zu geben!
Wer so gebraucht sein Lästermaul,
Dess' Sache steht gewöhnlich faul!
Das Maß ist voll! Ihr werdet' s hören!
Kommt vor Gericht! Da geht's ans Schwören!

Sieben Wochen drauf prüft an Ort und Stelle
Mit würdiger Miene ein hohes Gericht,
Ob die umstrittene Bodenwelle
Zu Falkenberg gehört oder nicht!
Es stellet sich vor als des Rechtes Hüter,
Verweiset die Ausbrüch' erregter Gemüter!
Es hört die Parteien, wägt ab die Gründe,
Damit es gerechte Entscheidung auch finde!
Und kommt dann schließlich zu einem Entscheide:
"Das Urteil hängt ab noch von einem Eide,
Den soll der Wilmersdorfer Schöffe schwören!
Des ältesten Mannes Zeugnis woll' n wir hören!"

Da trat auf das umstritt 'ne Land
Der Wilmersdorfer Schöffe, hob die Hand
Und schwur, dass jedermann es hörte:
"Ich steh auf Wilmersdorfer Erde!"
Beteuert' noch mit sieben heiligen Eiden,
Dass, wenn' s nicht wahr wär', er die Höllenqual wollt leiden!
Der Falkenberger Amtmann schafft sich Luft:
"Fahre zur Höll', meineidiger Schuft!
Dem Teufel ist schon lang kein Braten
So saftig fett, wie Du, geraten!"

Doch Ruh´ gebot jetzt das Gericht,
Und der Gerichtsherr nunmehr spricht:
"Es wird hiermit für Recht erkannt:
Zu Wilmersdorf gehört dies Land!"
Die Falkenberger heftig schluckten
An diesem Urteil, das kein Recht!
Die Wilmersdorfer aber listig guckten
Und dachten sich: "S' ist doch nicht schlecht?
Der Eid war doch nicht falsch? Nur halb so wild!
 - Wenn man zuvor in Wilmersdorf die Stiefeln sich gefüllt!"  

Der listige Wilmersdorfer Schöffe hatte sich – bevor er den Eid schwur – seine Stiefel
mit Wilmersdorfer Erde gefüllt und somit keinen Meineid geschworen.