Spuk- und Gespenstergeschichten aus Falkenberg und Umgebung

berichtet von Bernd Steinbrecher, Berlin (früher Briesen)
erzählt von seinen Großeltern Otto und Emma Gedicke sowie seiner Großmutter Marie Steinbrecher in den Jahren 1971-1974.
 
Das kopflose Schaf

Einmal gingen zwei Neumadlitzer Holzfäller des Abends aus Richtung Demnitzer Mühle kommend, nach Hause. Plötzlich sahen sie an dem Kreuzweg, dort wo das „Verlorene Wasser“ ist, ein blutüberströmtes Schaf, dass keinen Kopf mehr hatte. Das Schaf lief ihnen genau entgegen und sie hörten auch ein unheimliches Stöhnen und Rauschen. Vor Schreck rannten sie zurück zur Mühle und fanden dort Unterschlupf. Der Müller erzählte ihnen dann, dass nicht nur ein Schaf hier rumspukt, sondern manchmal auch ein Pferd ohne Kopf. An der genannten Stelle soll Früher ein Hinterhalt von einer Räuberbande gewesen sein, die bei ihren Überfällen Alles umbrachten. Ihr Versteck soll im „Krummen Luch“ gewesen sein und noch Heute sucht man dort die angeblich versteckte Beute. Ich selbst bin mal mit dem Pferd dort entlang, als ich von einem Besuch aus Falkenberg kam. An der genannten Stelle, wollte das Pferd aber einfach nicht weiter und scheute. Ich musste deshalb einen Umweg nehmen. Mir hat man dann erzählt, dass hier noch ein Erschlagener der Räuber liegen soll, der keine Ruhe findet. (Großvater Gedicke, Briesen (Mark)).

Der Mann ohne Kopf an der Demnitzer Mühle

Ein Demnitzer ging des Nachts von Berkenbrück kommend, auf dem Bierweg nach Hause. Er hatte dort beim Bauen geholfen und freute sich auf ein gutes Abendbrot zu Hause. Auf dem Kreuzweg in Nähe des Mühlenfließes lief plötzlich ein Mann ohne Kopf neben ihm, der ihm mit seinen Knochenfingern eine leere Schale hinhielt.. Er wich nicht von seiner Seite und war erst bei der Demnitzer Mühle verschwunden. Verstört kam er zu Hause an und konnte lange nicht über das Erlebte reden. Noch um 1960 erzählte man sich, dass es an diesem Ort nicht „Geheuer“ ist und man des Nachts lieber dort nicht entlang läuft oder fährt. Großvater Gedicke weiter: Ich selbst bin mal mit Onkel Karls Pferdegespann dort lang gefahren, um Holz zu holen. Da stand der Kerl plötzlich abseits des Weges und hielt mir einen leeren Sack hin. Da das Pferd scheute und ich aufpassen musste, dass es nicht durchging, konnte ich nicht erfahren, was er wollte. Als ich mich wieder umdrehte, war er weg. Ich war aber um die Mittagszeit auf dem Weg. (Großvater Gedicke, Briesen (Mark)).

Die Wilde Jagd bei Falkenberg

Vor vielen Jahren lebten am Elisenhof  einfache Holzfäller, welche des Nachts heimlich beim „Verlorenen Wasser“ Bäume fällten, um es für sich zu nutzen. Als sie wieder mal bei Vollmond dorthin gingen, entstand plötzlich ein großer Lärm. Es stürmte und dichte Wolken zogen auf. Da stand plötzlich ein Reiter vor ihnen auf dem Weg. Dessen Schimmel hatte nur drei Beine und viele Hunde umringten ihn. Er fragte sie, was sie hier machen und ob das Holz ihnen gehöre. Vor Schreck rannten sie weg und ließen das Fuhrwerk stehen. Später fand dann der Heideläufer die Pferde auf dem Silberberg und brachte sie zurück. Wagen und Holzladung blieben aber verschwunden. (Großmutter Emma Gedicke, Briesen (Mark)).

Die Geister vom Rüsterfeld

Einmal kam des Nachts ein Mann aus Falkenberg in der Nähe des Silberbergs vorbei. Er wollte nach Briesen. Da sah er an dieser Stelle ein Licht brennen. Neugierig geworden, ging er hin. Plötzlich war von dort ein Jaulen und Kreischen zu hören und eine dichte Nebelwolke machte sich breit. Voller Angst lief er fort. Aber er hörte hinter sich ein Hecheln und Brummen, dass immer näher kam. Als er sich umdrehte, sah er einen riesigen Hund ohne Kopf auf sich zukommen. Vor Schreck, schrie er ihn an. Da war das Tier verschwunden. (Großmutter M. Steinbrecher, von ihrer Großmutter, aus Petershagen erzählt bekommen).

Eine ähnliche Geschichte kommt von Großvater Otto Gedicke:

Du kennst ja unser Stück Acker am Rande des Rüsterfeldes. Ich war mal dort zum pflügen und weil es ständig regnete, ging die Arbeit nicht so richtig voran. Als es fast dunkel war, war ich endlich fertig und wollte schnell nach Hause. Oma machte sich bestimmt schon Sorgen. Gerade hatte ich das Pferd vorm Wagen, da zieht ein Nebel auf aus dem ein Kreischen und Heulen zu hören ist. Ich bin ja nun nicht ängstlich, aber eine Gänsehaut bekam ich doch. Trotzdem siegte die Neugier. Ich also in die Richtung des Nebels. Dort hörte ich aber nur noch ein wütendes Bellen und sah eine Gestalt, die keinen Kopf hatte, verschwinden.

 Die Roggenmume am Rüsterfeld

 Als es mal im August sehr warm war, bin ich vom Waldschloß zu unserem Stück Land auf dem Rüsterfeld, um nach dem Rechten zu sehen. Da war auch alles Rechtens und ich setzte mich an den Waldrand um ein wenig zu verpusten. Da sah ich eine weiße Gestalt über die Felder auf mich zukommen. Die hatte eine Sichel in der Hand. Wegen der Hitze und dem Flimmern über den Feldern konnte ich jedoch nichts Genaues erkennen. Ich hörte nur, dass sie mir zurief, mich auszuruhen. Ich bin dann wohl eingenickt und mit einem lauten Schrei wieder aufgewacht, da ich nicht mehr atmen konnte und träumte, dass mich Jemand erwürgen will. Fast über mir kam nun ein Gewitter. Wie du weißt, habe ich davor mächtige Angst. Also wollte ich schnell nach Hause. Es ist ja noch ein Stückchen Weg und Ziegenfutter und Reisig wollte ich auch noch. Als ich Kiepe und Korb aufnehmen wollte, sah ich, dass diese bereits mit Gräsern und Reisig gefüllt waren. Auch das Gewitter nahm eine andere Richtung. Trocken und guter Dinge bin ich dann zu Hause angekommen. Hier habe ich dann Allen gesagt, dass die Weiße Frau bei mir war und mir geholfen hat. (Großmutter Emma Gedicke). Anmerkung: Oma Gedicke war noch bis zu ihrem Tod 1978 sehr abergläubisch und wollte uns nie ab der Dämmerung in den Wald lassen wegen des Spuks.

Hierzu passt das nachstehende Gedicht, das Elfriede Labahn aus Falkenberg schon als Kind gelernt hat:

 

Die Roggenmume

Lass stehn die Blume!
Geh nicht ins Korn!
Die Roggenmume
steht da vorn!
Wen sie beim Pflücken
sieht Halme knicken,
wer Ähren zertritt,
den nimmt sie mit!